Equinox - Bis(s) zur Mitternacht

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Equinox - Bis(s) zur Mitternacht

Beitrag von Gutemine am Di Jan 02, 2018 5:10 pm

Kapitel I  Das Ende


Es war das Jahr 1786, in dem mein altes Leben endete.
Es herrschte eine politische Auseinandersetzung zwischen unserem Königreich und Vertretern der Rasse der Vampire.
Anführer der gegnerischen Fraktion waren drei Männer, so furchteinflössend und mächtig, dass uns kein anderer Vampir zur Seite stehen wollte. Diese Männer waren so alt wie die Geschichte selbst. Ihre Namen waren Aro, Marcus und Caius, allerdings wurden sie von allen nur die Volturi genannt.
Aro war der Anführer. Er schien zivilisiert, beherrscht und charmant. Allerdings wusste jeder, sogar wir, dass dies nur eine Maske war. Darunter war er blutrünstig, rücksichtlos und der menschlichen Rasse gegenüber arrogant. Er sah in uns nur eine Mahlzeit, die er sich jederzeit holen konnte, wenn es ihm beliebt. Hinzu kam, dass er über die Fähigkeit verfügte bei Berührung alle Gedanken zu hören, die man je gehabt hatte. Jegliches mentales Training war nutzlos gegen ihn.
Dann war da noch Marcus. Er war das ganze Gegenteil von Aro. Er wirkte immer gelangweilt, ja fast apathisch, von der Welt und den Machenschaften seiner Mitstreiter. Dennoch wandte er sich nicht von ihnen ab. Auch er hatte eine Fähigkeit. Er konnte wohl die Beziehung zu Menschen untereinander "sehen" und somit schnell herausfinden, wer sich als Druckmittel eignete oder wen sie als Verbündeten sichern konnten.
Der letzte im Bunde war ein Mann namens Caius. Ein sehr jähzorniger und unbarmherziger Mann, der der Meinung war, die vampirische Rasse wäre die beste und stünde über allen. Er verfügte zwar über keine Fähigkeit wie seine Freunde, allerdings machte ihn das nicht weniger gefährlich, denn Caius war machthungrig und gab keine zweiten Chancen. Er liebte das Töten und machte keinen Hehl aus dieser Tatsache.
Zum Zeitpunkt des Krieges gegen uns waren alle drei bereits über 3000 Jahre alt. Sie hatten bereits viele Kriege erlebt und selbst geführt, was sie unbesiegbar machte.

Ich hatte mich oft gefragt, wieso sie uns des nachts nicht einfacht überrannt und abgeschlachtet hatten, schließlich waren wir wehrlos gegen sie. Ich habe nie eine Antwort darauf gefunden.

So traf es sich eines Tages, dass unsere Königin zu Verhandlungen nach Volterra in Italien, dem Sitz der Volturi, aufbrach, um die Fehde zu beenden oder zumindest einen Kompromiss mit den Vampiren auszuhandeln. Die Volturi wollten unser Königreich unterwerfen um sowohl ihre Macht als auch ihr Jagdgebiet zu erweitern, allerdings ohne dabei die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sich zu ziehen.
Die meisten Männer des Königreichs waren vor langer Zeit im Krieg gefallen, weshalb wir Frauen nun das Königreich verteidigen mussten.  Ich hatte mich bis zum Gerneralsstand hochgearbeitet und genoss das Vertrauen des Königshauses. Aus diesem Grund wählte unsere Königin mich als ihren Begleitschutz.

Unsere Reise von England aus war beschwerlich, Autos oder Flugzeuge wurden erst sehr viel später erfunden, weshalb wir mit der Kutsche oder den Rücken der Pferde vorlieb nehmen mussten. Den Atlantik mussten wir per Boot überqueren und auch die Alpen umschifften wir.
Nach einigen Wochen erreichten wir Volterra. Es war bereits dunkel und schon an den Stadttoren wurden wir von einem Lakaien der Volturi in Empfang genommen. Er war offensichtlich ein Mensch, den seine Augen waren nicht blutrot, wie die der Vampire. Also gab es auch menschliche Kollaborateure, was mir das Herz in die Hose rutschen ließ.
Auf einen feierlichen Staatsempfang wurde sichtlich verzichtet, was uns zeigte wie viel man von uns hielt. Selbst im Hundertjährigen-Krieg mit den Franzosen, so wurde uns von unseren Ahnen erzählt, hatten sich die Staatsmänner gegenseitigen Respekt gezollt und den feindlichen Besuch gebührend empfangen.

Die Stadt war alt. Terracotta-farbene Ziegel formten das Stadtbild und am hintersten Rand ragte ein palastähnliches Gebäude aus weißem Mamor empor, das selbst im Dunkeln der Nacht zu leuchten schien. Wir wurden in das Innere des Palastes geführt, doch wir hatten keine Zeit die Baukunst zu bewundern. Zu groß saß die Anspannung über das Ergebnis der kommenden Verhandlung.
Der Mann, der uns am Stadttor abgeholt hatte, führte uns zu einer riesigen Tür, gut fünf Meter hoch, und übergab uns an eine Frau. Ihre Augen leuchteten rot wie Feuer und als sie sich bei dem Menschen bedankte, glitt ein süffisantes Grinsen über ihr Gesicht, was den Mann ängstlich zusammenzucken ließ. Anscheinend waren nicht alle freiwillig zu Verrätern geworden. Wortlos öffnete sie die schwere Eisentür. Wir betraten einen riesigen, allerdings kargen kreisförmigen Raum. Einzig und allein drei Throne in der Mitte des Raumes und ein überdimensionaler Mahagonitisch mit passenden Stühlen zeugten davon, dass er benutzt wurde. Wie können sie sich anmaßen und sich selbst auf königlichen Stand erheben dachte ich mir beim Anblick der Throne, versuchte mir meinen Ekel aber nicht anmerken zu lassen.

"Ah, Königin Georgina! Willkommen in unserem bescheidenen Heim." kam es von dem Mann namens Aro. Er wirkte tatsächlich erfreut uns zu sehen und kam schnellen Schrittes auf uns zu. Er verbeugte sich leicht vor meiner Königin, deutete einen Handkuss an und nickte mir zu, als Zeichen, dass er mich bemerkt hatte. "Ich hoffe, Eure Reise war nicht zu beschwerlich?"
"Nun sie war lang, aber ich habe schon schlimmeres durchgemacht" war die Antwort meiner Königin.

"Oh, nun ja, das glaube ich nicht." entgegnete Aro süffisant. "Wollen wir?" fragte er und wieß uns an, uns an den Tisch zu setzen. Zögernd sah ich meine Begleitung mit einem die-führen-nichts-Gutes-im-Schilde-Blick an, aber sie nickte mir überzeugt zu und so setzten wir uns.
"Ich denke es ist klar, was wir wollen." Das war Caius und es klang wie eine Kampfansage.
"Ja, das ist es. Allerdings hatte ich gehofft, ein paar...Abmachungen treffen zu können. Es wäre schließlich schade wenn..." Man konnte den Ekel in der Stimme meiner Königin hören, trotzdem versuchte sie Haltung zu bewahren. "...die Franzosen Ihnen zuvorkommen würden und Ihr Jagdgebiet vorzeitig ausgeschöpft wäre." beendete sie ihren Satz.
Caius sah die Königin mit hochgezogenen Augenbrauen an und lachte spöttisch: "Wir sollen euch vor den Franzosen beschützen? Euer Krieg geht uns nichts an, wieso sollten wir euch helfen...?" Doch Aro fiel ihm ins Wort: "Warte mein Freund, die Dame hat nicht so ganz Unrecht..." An seinem Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass er ernsthaft über diesen Vorschlag nachdachte, während Caius ein leises "Pff" von sich gab und Marcus unbeteiligt danebensaß. Es dauerte ein paar Minuten, bis sich Aro wohl zu einer Entscheidung durchgerungen hatte und winkte zwei seiner Wachen herbei. Einer war mindestens zwei Meter groß und hatte Schultern so breit wie ein Schrank, der andere war kleiner aber er hatte wilde Augen, die furchteinflößend waren. "Dimitri, Felix." Die beiden bewegten sich so schnell, dass unsere Augen es nicht sahen, aber plötzlich waren sie hinter uns.
"Euer Vorschlag ist durchaus reizvoll eure Hoheit, aber wie mein Bruder schon sagte, das ist nicht unser Krieg. Und wir haben wichtigere Dinge zu tun als Schafe zu hüten." Zu spät erkannte ich die Gefahr, aber da hatte Felix bereits meine Königin vom Stuhl gezerrt und ich spürte schon den klauenartigen Griff Dimitris um meine Schultern.
Ich erinnere mich noch wie heute an den Blick meiner Königin. So angsterfüllt und sich Ihres Schicksals bewusst. Wir hatten sie alle davor gewarnt einen Pakt mit den Vampiren zu schließen. Sie waren viel zu arrogant und viel zu gefährlich. Und wir waren auch noch freiwillig zu ihnen gekommen.
"Eure Leute werden kaum gegen die Franzosen kämpfen können wenn ihre Königin und ihr..." Aro beäugte mich kritisch und strich mir dabei über die Wange. Es war keinesfalls eine liebevolle Geste sondern eine Prüfung der Ware. "...ihre beste Kämpferin nicht von der Reise zurückkehren. Und eine handvoll Bauern, die noch nicht einmal wissen, wie man ein Schwert hält, können es wohl kaum mit den Franzosen aufnehmen." Er hat gerade alle meine Gedanken gehört! schoss es mir durch den Kopf als Aro seine weißen Zähne entblößte und grinste. Sofort sah ich seine Begrüßung uns gegenüber vor Augen. Der Handkuss! Er wusste von Anfang an, dass wir keine wirkliche Armee aufzubieten haben!
"LASSEN SIE MICH LOS!" hörte ich meine Königin schreien. Aber ich konnte meinen Blick nicht von Aros Gesicht wenden. Diese Selbstgefälligkeit ließ mir keine Wahl. Aber Dimitris Schraubstockgriff ließ mir keine Bewegungsfreiheit, so konnte ich unserem Feind nur ins Gesicht spucken. "Ihr seid wiederlich!" Aber anders als erwartet wurde Aro nicht zornig sondernd brach in schallerndes Gelächter aus, das von den Steinwänden widerhallte und sich überschlug. "Sind sie nicht niedlich diese Menschen?" Auch Caius, Felix und Dimitri fielen in das Gelächter ein. Nur Marcus saß immer noch apathisch am Tisch und starrte Löcher in die Luft. Aber anscheinend hatte das laute Lachen ihn wieder in die Gegenwart geholt denn plötzlich stand er auf und trat an Aro heran. "Bring' das jetzt zu Ende. Es langweilt mich." sagte er und wandte sich bereits ab. Aro, der sich wieder beruhigt hatte, breitete die Arme aus und verabschiedete sich in einem Singsang: "Nun, es hat uns sehr gefreut." Ein letzter Wink mit dem Arm und Felix stürzte sich auf meine Königin. Sie schrie vor Schmerz, als er ihr in den Hals biss. "NEEEEEIIIIN" schrie ich, aber auch mein Kopf wurde zu Seite gerissen und ich konnte spüren wie sich Zähne durch meine Haut und mein Fleisch bohrten. Dieser Schmerz ließ mich ebenfalls aufschreien. Dennoch war das letzte woran ich dachte, dass ich meine Pflicht nicht erfüllt hatte und meine Königin beschützt hatte. Das Licht in ihren Augen erlosch allmählich. Wut, Zorn und Panik erlaubten es mir ein letztes Mal mich gegen meinen Peiniger aufzulehnen und anscheinend hatte Dimitri nicht mit dem Ellenbogen in seinem Magen gerechnet, denn er fuhr erschrocken zusammen. Mein Blut lief ihm aus dem Mund als er knurrte, verärgert darüber, dass ich es geschafft hatte mich loszureißen. Ich fiel zu Boden und meine Welt verschwamm. Nicht nur, dass ich schon zu viel Blut verloren hatte, mein Körper begann zu brennen, als stünde ich in Flammen. Ich wusste nicht woher das kam, aber im Moment hatte ich nur Augen für meine Königin, die bereits tot auf dem Steinboden lag. Ich biss die Zähne zusammen und kroch zu ihr, aber es war bereits zu spät. "Es tut....mir...Leid" flüsterte ich. Tränen vernebelten mir den Blick, das Feuer in mir betäubte meine Sinne. Ich bemerkte noch nicht einmal, dass Dimitri mich wieder hochgehoben hatte, um Aros Anweisung zu folgen und mir auch noch den letzten Tropfen meines Blutes auszusaugen. Nicht einmal schreien konnte ich mehr und so musste ich den überwältigenden Schmerz stumm ertragen bevor meine Welt schwarz wurde und ich starb.
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Re: Equinox - Bis(s) zur Mitternacht

Beitrag von Gutemine am So Jan 07, 2018 2:10 pm

Kapitel II   Neugeboren



Ich hatte mich nie vor dem Tod gefürchtet. Ich war nie so erzogen worden, ihn als das ultimative Ende oder Nichts zu sehen. Meine Erziehung ließ mich an ein Leben nach dem Tod glauben, eine Art Paradies, in dem wir für immer mit unseren Lieben vereint waren und über unsere Verbliebenen wachen konnten.
Um so erschrockener war ich, als ich zu mir kam. Allein durch den Geruch konnte ich erahnen wo ich war, noch bevor ich meine Augen öffnete. Es roch nach Stein, Rattenkot, Feuchtigkeit und Tod. Ein Kerker. Ich hörte das Quieken der Ratten, die sich im Gemäuer versteckten und auf Essensreste jeglicher Art hofften. Stimmen, die von weit weg an meine Ohren drangen, die aber dennoch so klar waren, als stünde jemand direkt neben mir.
Meine Augen öffneten sich langsam, dennoch wurde ich sofort von den Eindrücken erschlagen. Obwohl es stockdunkel war, konnte ich jede Unebenheit im Gemäuer erkennnen, jedes Staubkorn auf dem Boden und jeden Wassertropfen, der an der Decke meines Gefängnisses hing.
War das das Leben nach dem Tod, das man uns versprochen hatte? Oder sah so die Hölle aus? Was hatte ich nur getan, um es zu verdienen nach meinem Ableben hier zu landen?
Ich spürte die Schritte bereits bevor ich sie hörte. Vier Paar, schwer, wahrscheinlich Männer und sie kamen schnell. "Ahhhhhh du bist erwacht!" Ich erkannte diese trällernde Stimme. Aber das konnte nicht sein, ich war gestorben. Aber ein Blick an die Gitterstäbe bestätigte mir meinen Verdacht. Es war Aro!
"Wie......." Meine Stimme versagte mir den Dienst. Meine Kehle brannte wie Feuer. "Wasser!" krächzte ich, aber keiner der Anwesenden rührte sich. "Nun, ich muss sagen, zu Anfangs war ich höchst unzufrieden, dass Dimitri dich nicht getötet hat. Normalerweise entkommt man uns nicht so leicht, wenn wir uns einmal...festgebissen haben." Die letzten Worte sprach er mit einem belustigten Unterton, und auch die anderen Anwesenden grinsten. Jetzt erst erkannte ich sie. Caius, Marcus und Dimitri waren mitgekommen und standen ebenfalls an den Gitterstäben. Sie beäugten mich kritisch aber interessiert.
"Wasser!" keuchte ich erneut. Ich musste diesen Durst stillen, er war das Einzige woran ich im Moment denken konnte. Nicht einmal zu meinen Lebzeiten hatte ich so einen Durst verspürt. Wieder lachten die Männer, diesmal etwas lauter. "Wasser...du möchtes Wasser? Na schön. Dimitri, bring der Dame doch bitte einen Krug Wasser." Sofort verschwand Dimitri wie ihm geheißen, allerdings nicht ohne dabei weiter zu lachen.
Es dauerte nur ein paar Minuten, da kam Dimitri mit einem Krug Wasser zurück. Er stellte ihn auf den Boden, allerdings außerhalb meiner Reichweite. Ich sah das Wasser überschwappen als er es hinstellte und schon war ich am Gitter und setzte den Krug an meine Lippen. Ich trank ihn in einem Zug leer, aber die erhoffte Zufriedenheit stellte sich nicht ein. Der Durst war immer noch da, brannte immer noch genauso stark wie zuvor. "Mehr..." forderte ich, aber ich bekam nur einen weiteren Gelächterschall. "Das wird nichts nützen." sagte Aro. "Selbst wenn du dich in einem See ertränken würdest, dieser Durst wird nicht gestillt werden. Er ist jetzt ein Teil von dir und kann nur durch eines gedämpft werden." Er drehte sich zu Marcus um und nahm ihm den Käfig aus der Hand, den er dabei hatte. Plötzlich steigerte sich mein Durst ins Unendliche als ich den aufgeregten Herzschlag der Ratte hören konnte, die sich in dem Käfig befand. Ihr kleines Herz pochte so wild, das ich nur noch Ohren für ihr rauschendes Blut hatte. Es rief nach mir und ich wollte es unbedingt haben.
Aro öffnete den Käfig und stellte ihn so auf den Boden, dass die Ratte in meine Zelle kriechen konnte. Sofort stürzte ich mich auf sie, ihr angsterfülltes Quieken machte mich noch rasender vor Durst. Was tue ich da?! Das ist eine Ratte. Ich kann doch nicht ihr Blut trinken, ich bin doch kein.... Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. "Ich bin ein Vampir?!"
"Sehr gut erkannt, meine Liebe. Wie gesagt, ursprünglich war das nicht beabsichtigt. Aber ich war neugierig darauf, wie du dich entwickeln würdest. Ich habe so viel Potenzial in deinen Erinnerungen gesehen. Ich konnte nicht anders als die Verwandlung zuzulassen." Aro sprach von meinem Tod und meiner Wiedergeburt wie von einem Geschenk, das er vor Ungeduld auspacken musste. "Was....habt ihr mir... angetan?" Ich wollte schreien vor Wut, aber meine Kehle war so staubtrocken wie ein Brunnen während eines heißen Sommers. Zusätzlich dazu rauschte das Blut der Ratte in meinen Ohren. Ich wollte, dass es aufhört. So hatte ich mir mein Leben nach dem Tod nicht vorgestellt. Als ein Wesen der Nacht, das nur getrieben ist von seinem Durst und sich nur von ihm lenken lässt und nicht von seinem Verstand.
"Du wirst dich daran gewöhnen." Das war Marcus und zum allerersten Mal hörte ich ihn sprechen. "Oder wir werden dich doch noch töten." ergänzte Caius und wandte sich um, um den Kerker zu verlassen. Marcus folgte ihm, nur Aro und Dimitri blieben zurück und sahen mich gespannt an. "Ich freue mich darauf deine Fähigkeiten mit eigenen Augen sehen zu können. Und vielleicht beglückst du uns noch mit anderen neuen Talenten." gluckste Aro und kehrte mir ebenfalls schnellen federnden Schrittes den Rücken zu.
Ich blickte hilfesuchend umher, da ich mir nicht sicher war, was ich tun sollte, nein, was ich tun WOLLTE. "Tu es!" sagte Dimitri forsch. Ihn hatte ich ganz vergessen, deshalb erschrak ich leicht, als seine Stimme von den Steinwänden widerhallte. "Tu es, oder es wird schlimmer. Und glaube mir, du willst nicht, dass es noch schlimmer wird." Mit diesen Worten verließ er als Letzter das Kellergeschoß und ließ mich allein und in Dunkelheit zurück.
Das Quieken der Ratte, die sich immer noch in meiner Hand befand, war das Einzige, was zu hören war. Ich wollte, dass es aufhört. Ich musste nachdenken und mein neues Leben als neugeborene Vampirin verarbeiten. Und dieses Quieken und dieser unerträgliche Durst hinderten mich daran. Mit zitternden Händen führte ich das Tier an meine Lippen. Es roch so verführerisch. Ich konnte nicht mehr länger an mich halten und biss zu. Ein letztes lautes Quieken erfüllte meine Zelle, aber das hörte ich nicht. Ich schmeckte nur das warme Blut der Ratte und es fühlte sich so gut an. Sofort spürte ich ein wenig Linderung in meinem Hals. Das Tier war nach drei gierigen Zügen leergetrunken und hing nun schlaff in meinen Händen. Im gleichen Moment, in dem ich die Zufriedenheit eines beinah Verdursteten spürte, überkam mich auch gleich der Ekel vor dem, was ich gerade getan hatte. Ich schleuderte das tote Tier von mir weg und kauerte mich auf dem Steinboden zusammen. Ich wollte schlafen, ich wollte, das alles wäre ein böser Albtraum, aber ich wollte nicht davon erwachen. Auch der Schlaf wollte mich nicht locken. Also lag ich einfach nur da und dachte an all die Dinge, die ich verloren hatte. Meine Familie, meine Königin. Bei dem Gedanken wollte ich weinen, aber meine Tränen waren wohl ebenfalls versiegt. Wieso hatten sie mich nicht einfach getötet? Wieso hatte Aro es zugelassen? Was hat er vor?
Ich beschloß alles Erdenkliche zu tun und mich zu weigern in irgendeiner Form kooperativ zu sein. Ich wollte lieber sterben, als diesen Leuten zu helfen, die mich und meine Königin kaltblütig getötet hatten. Nur um danach ein neues Spielzeug zu bekommen, das für Ablenkung sorgte?
Niemals!
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Re: Equinox - Bis(s) zur Mitternacht

Beitrag von Gutemine am Sa Feb 03, 2018 7:31 pm

Kapitel III Schicksalsjahre


So sehr ich gehofft hatte die Volturis wären naiv und würden mich, ihr neues Spielzeug, aus meiner Zelle lassen, so sehr belehrten sie mich eines Besseren. Sie ließen mich wo ich war, brachten mir noch nicht einmal das ein oder andere Tier. So vegitierte ich vor mich hin, wurde immer schwächer und schwächer. Aber mein Körper wollte nicht sterben.

Auch wenn mein Körper allmählich zu vertrocknen begann, so war mein Verstand immer noch klar. Immer mal wieder sah man nach mir, wohl eher um sich zu vergewissern, ob mein Wille schon gebrochen war, als des Mitleids wegen. Aber ich wollte mich nicht ergeben, auch wenn mich der Hunger in den Wahnsinn trieb.
Ich weiß nicht wie lange ich schon in dieser Zelle hockte, als eines Tages die drei Volturi-Meister und alle vier Hauptwachen den Kerker betraten. "Nun ich denke Sie hatten ein wenig Zeit um nachzudenken, meine Liebe?" Aro ließ es wie eine Frage klingen, aber ich konnte den Spott daraus sehr wohl hören.

"Was verlangt ihr von mir?" flüsterte ich, denn meine Kehle war so trocken, dass ich befürchtete meine Stimmbänder würden jeden Moment zerbröseln.
"Loyalität. Nichts weiter." war Caius' Antwort. Was ihnen so einfach und banal erschien, kostete mich alle Überwindung. Wie konnte ihr den Männern loyal gegenüber sein, die uns hintergangen und getötet hatten?
Ich rang sichtlich mit mir, und anscheinend kam ihnen die Antwort nicht schnell genug, denn die Herren waren dabei schon wieder zu gehen und mich wieder allein in meinem Elend zu lassen.
"Wartet! Bitte!" rief ich ihnen hinterher so laut ich konnte, allerdings kam nicht mehr als ein Krächzen aus meinem Mund.
Sie blieben dennoch stehen und sahen mich erwartungsvoll an. "Ja?" fragte Aro gelangweilt.
"Ich werde....tun was ihr verlangt." Während ich das sagte, blickte ich auf meine Hände. Ich konnte ihnen nicht in die Augen sehen, aus Angst mich bei ihrem Anblick übergeben zu müssen.
Ich meinte es ernst, ich würde tun was sie von mir verlangten, Hauptsache ich kam aus diesem Loch und konnte meinen Durst stillen. Alles andere würde sich dann zeigen.

Ich sah ihnen an, dass sie an meiner Ehrlichkeit zweifelten.
Aro nickte einem jungen blonden Mädchen zu, das sogleich hervortrat und mich wortlos anstarrte.
In dem Moment, in dem sich unsere Blicke trafen, wurde ich von einer Welle des Schmerzes überrannt, viel schlimmer als an jenem Tag, an dem ich verwandelt wurde. Es war ein betäubender Schmerz, mein Körper verkrampfte sich und ich keuchte auf. Schreien konnte ich nicht. Mein Kopf fühlte sich an, als würde er zerbersten.
"Das reicht Liebes." sagte Aro, beinahe zärtlich und das Mädchen wandte nur widerwillig den Blick ab. Man konnte ihr ansehen, dass sie es genoss andere zu quälen. Der Schmerz ließ nach, aber eine sehr lebhafte Erinnerung davon blieb zurück.
"Nun du hast eine kleine Kostprobe davon bekommen, was dir bevorsteht, solltest du gelogen haben. Hast du das verstanden oder...?" fragte Aro und winkte das Mädchen wieder her.
"NEIN! Nein, bitte nicht. Ich...habe verstanden." keuchte ich. Auch wenn ich nicht mehr atmen musste -das hatte ich in der Zeit, in der ich allein in meinem Gefängnis hockte herausgefunden. Ich hatte schließlich nicht groß die Wahl gehabt als mich mit meinem neuen Ich zu beschäftigen- so half es wieder einen klaren Verstand zu bekommen.
"Ich verspreche es. Aber bitte, sie soll nich noch einmal." flehte ich.

Ich musste einen erbärmlichen Anblick geben, so wie ich auf dem Boden lag. Zusammengekauert wie ein geprügeltes Tier, ohne Schuhe, nur mit diesem Nachthemd bekleidet, das sie mir angezogen hatten. Ich erwartete schon nicht mehr, dass sie mir glaubten, als ich Aro sagen hörte: "Nun gut, du bekommst deine Chance. Komm jetzt da raus, dann werden wir dich anständig kleiden und dir Nahrung geben." Ich traute meinen Ohren nicht. Wie sollte ich denn aus der Zelle herauskommen. Sie war schließlich verschlossen.
"Wie?"
"Nun, das musst du selbst herausfinden!" blaffte mich Caius an und verschwand mit wehendem Umhang. Auch die anderen kehrten mir den Rücken zu und ließen mich, mal wieder, allein.

Das saß ich nun und wusste nicht weiter. Sie würden mich tatsächlich rauslassen, aber ich musste herausfinden wie ich mein eisernes Gefängnis verlassen konnte. Ihne Schlüssel würde ich das Schloss niemals öffnen können. Ich überlegte sehr lange, aber mir wollte nichts einfallen. Vor Verzweiflung und Wut schlug ich mit meiner Faust auf den Boden. "VERDAMMT!" schrie ich. Der Boden wurde stark durch meinen Wutausbruch in Mitleidenschaft gezogen. Ein kleines Loch, so groß wie meine Faust war nun zu sehen und überall lagen kleine Gesteinsbrocken. Offensichtlich hatte ich auch an Stärkge gewonnen. Vielleicht war dieses neue Leben doch nicht so schlecht.
Ich starrte auf meine Hände. Dann kam mir eine Idee. Ich konnte versuchen das Schloss zu zerbrechen oder die Gitterstäbe zu verbiegen.


---------------to be continued----------
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Re: Equinox - Bis(s) zur Mitternacht

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